So, SinnerSchrader haben sich getraut und ihr Zehnjähriges genutzt, um einen Kongress zum Thema web 2.0 aus dem Boden zu stampfen.
Vorweg gesagt: Der Kongress war toll. Man fühlte sich rundum gut versorgt und alles war ziemlich gut organisiert.
Der Kongress könnte eine Art Startschuss für die deutsche Medienindustrie gewesen sein. Ob das tatsächlich was geholfen hat, werden wir in der zweiten Jahreshälfte sehen. Zu sehen war, dass offensichtlich sowohl Agenturen als auch Ihre Kunden versuchen, sich dem Thema zu nähern und der Hunger nach Informationen und Erklärungen erstmal groß ist. Zu sehen war auch, dass der sehr amerikanische theoretische Überbau für Deutsche nur sehr schwer anzunehmen ist.
Klar wurde: jeder nimmt sich aus dem verwirrend großen Web 2.0-Sandkasten das mit, was er (gerade) am besten brauchen kann. Burda (vertreten durch Heiko Hebig) heftet eben mal schnell ein paar Blogs an seine Websites und glaubt, damit schon alles getan zu haben. Andere erhoffen sich die totale Demokratisierung der Gesellschaft durch Blogs. Und ein paar Start Ups hoffen wieder auf Kapital, dass der Hype nun auch bald produzieren wird. In einem aber scheinen sich alle einig: nicht zuviel Wind machen, dafür aber konkret werden. Nicht nochmal die Fehler von vor 10 Jahren machen, aber genießen, dass Internet wieder richtig spannend und interessant ist.
3 Probleme kristallisieren sich bei den tollen neuen Services heraus:
- Was passiert mit meinen Daten? Peter Weigend (http://weigend.com/), der witzigerweise seinen ganzen Kalender online stellt, sagt, der Nutzer muss Verantwortung übernehmen - was einmal öffentlich ist, bleibt öffentlich und kann nicht mehr zurückgenommen werden. Johnny Häusler, selbst erfolgreicher Blogger (www.spreeblick.com), möchte die Anbieter zwingen, Daten auf Wunsch des Nutzers auch wieder zu entfernen.
- Wie kann ich mich und meine (Internet-)Identität vor Angriffen Dritter schützen? Man stelle sich vor, jemand knackt meinen Account bei flickr und stellt dort Porno-Bilder ein …
- Spam! Viele Dienste beruhen darauf, dass Nutzer Content durch Ihre persönlichen Informationen anreichern. An vielen Stellen geht es hier auch um Kaufentscheidungen (Welches Buch kaufe ich ? Welchen Film sehe ich mir an?). Man kann also darauf warten, dass Communities und Blogs von “Spamidentitäten” angegriffen und möglicherweise sogar überschwemmt werden, die ihre werbenden Botschaften hier platzieren wollen. Das Problem wurde in krasserer Form ja schon bei Wikipedia deutlich. Wirklich gute Konzepte, um das zu verhindern gibt es hier noch nicht. Wahrscheinlich ist (so kam es auch im Schlusspanel heraus), das wir über kurz oder lang Internetidentitäten entwickeln werden müssen, die für andere Nutzer ein Stück weit durchschaubar werden und die in sich konsistent sind. Vorstellbar wäre dann ein Nutzer xy, auf dessen Homepage (Blog, Myspace ect.) viele der neuen Dienste eingebunden werden (eigene Texte, Produktbewertungen, öffentliche Termine, möglicherweise auch (ebaymäßige) Bewertungen von xy durch andere Nutzer). Spammer wären dan gezwungen, solche Identitäten erstmal nachzubauen, um im Internet noch glaubwürdig kommunizieren zu können.
Für die Kunden, die über die Agenturen Marketing machen wollen, ist das Thema noch sehr verwirrend. Ein SinnerSchrader-Mitarbeiter berichtete von einem verlorenen Pitch: Es hatte seine Präsentation so mit Web 2.0 aufgeladen, dass die potentiellen Kunden am Schluss fragten: “Und was ist nun mit der Internetseite?”
Prognosen für die nächsten 10 Jahre sind natürlich unsinnig, trotzdem setzten einige Referenten einige Schwerpunkte für die Zukunft:
Peter Weigend sieht eine noch stärkere Fragmentierung des Webs voraus. Während wir heute Informationen und Services für eine möglichst große Menge von Nutzern aufbereiten (und dabei oft furchtbare Kompromisse eingehen müssen), werden wir in Zukunft sehr viele Angebote für sehr spezielle Nutzergruppen erstellen.
Matthias Schrader betonte die wachsende Macht des Nutzers im “writable web”. Das ist für das Marketing und die Informationsvermittlung im Internet natürlich ein wichtiger Punkt. Nutzer wollen Information nicht mehr nach den Vorgaben des Anbieters konsumieren (die klassische Homepage). Der Nutzer will Information nach seinen Bedüfnissen kategorisieren und er will buchstäblich “mitreden”. Dies bedeutet für Unternehmen natürlich ein deutliches Umdenken.
Malthe Blumental von SinnerSchrader stellt den Service in den Vordergrund. Der Nutzer will einen Service nutzen, er möchte nicht Pressemitteilungen des Unternehmens lesen und auch keine Jobangebote. Er stellte als Beispiel die Internetseite der Deutschen Post und Google nebeneinander.
Fazit: Der Hype Web
2.0 ist definitiv in Deutschland angekommen und niemand in der Medienszene darf mehr sagen, er hätte nichts davon gewusst.
Mehr Infos und Bilder:
Technorati Tags: next10years web2.0

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